Gelesen: Komm, süßer Tod
Wolf Haas
Komm, süßer Tod
Verlag: Rowohlt
ISBN-10: 3499228149
ISBN-13: 978-3499228148
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Meine Meinung zu diesem Buch:
Deutscher Krimibuchpreis von 1999.
Das klingt nach Spannung, Action, Nervenkitzel.
Dieses Buch passt nicht so recht in die Krimischublade, sondern empfiehlt sich für alle, die es gern kompliziert mögen - nicht unbedingt von der Handlung, sondern von der Erzählweise.
Der Erzähler ist ein Umstandskrämer, dazu noch einer mit wiener Dialekt in der Alltagssprache der Arbeiter und kleinen Leute. Er kennt sich aus in den Tiefen der menschlichen Seele. Für jede Handlung seiner Personen hat er eine einleuchtende Erklärung parat. Er erklärt die Handlungsweise anhand von Erlebnissen in der Vergangenheit, die dann zu dieser Kurzschlusshandlung - oder was es auch immer gewesen sein mag - geführt haben. Dabei vergisst er nicht, die (häufig unrühmliche) Rolle der übrigen Akteure zu veranschaulichen.
Plappermaul
Im Schnitt muss man drei Seiten lesen, bevor die Quintessenz kommt. Oft habe ich nach diesen drei Seiten gedacht: "Alte Laberbacke!" Dann merkte ich, wie kurzweilig doch diese Seiten waren.
So erfährt die Leserin allerhand über den Wiener Rettungsdienst im Allgemeinen und über die Rettungsdienstler im Besonderen. Es werden haargenau die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von zwei verschiedenen - konkurrierenden - Rettungsdiensten herausgearbeitet. Wer weiss, wozu das einmal wichtig sein wird ;-)).
Wer ist die Hauptperson?
Im Nachhinein fällt mir auf, dass die Hauptperson im Buch gar nicht DIE Hauptperson ist. Die Handlung habe ich schnell wieder vergessen. Ich wundere mich, dass dieses Buch mit dem Deutschen Krimibuchpreis von 1999 ausgezeichnet wurde. Die Hauptperson dieses Buches ist eindeutig der Erzähler, der als Person nichts über sich verrät und der auch nie in Erscheinung tritt. Ihm und seinen ausschweifenden Erklärungen über Gott und die wiener Welt könnte ich jederzeit auch einen anderen Romaninhalt abnehmen.
Bei der Rückschau fällt vielleicht noch so manch anderer Leserin ein, dass jedes Wort seine Berechtigung hat. Selbst bei dem sparsamen Titel: "Komm, süsser Tod" kann sie jedes Wort auf die Waagschale legen.
Empfehlung
Kein vordergründig spannendes, aber ein nicht-aus-der-Hand-legen-Buch.
Als Zuglektüre ist es nur dann geeignet, wenn sich die Leserin nicht an den Blicken der anderen Mitfahrer stört, oder sich soweit im Griff hat, um nicht zwischendurch immer lauthals aufzulachen.
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